Perspektive: Ewigkeit

Dem Tod nahe sein und ihm – mit Gottes Hilfe – von der Schippe springen. Der Psalmschreiber von Psalm 116 hat das erlebt. Und auch Cornelia Amoah, eine KLARTEXT-Leserin. Hier ist das, was in der schlimmsten Zeit ihres Lebens passiert ist und wie sie Gott damals erlebt hat ...

Bibel-Alltag

Angst. Angst kennt jeder. Als Kind hatte ich das Gefühl der Angst oft. Angst vor der Dunkelheit, Angst vor dem Nachbarshund und Angst, wenn ich eine Mathearbeit schreiben musste.

Vor 5 Jahren bekam das Wort einen noch größeren Stellenwert in meinem Leben. Mein Mann Benjamin und ich planten unsere Auswanderung mit unseren damals 4- und 5-jährigen Töchtern nach Ghana. Auswandern in die Heimat meines Mannes. In dieser Zeit konnte ich deutlich fühlen, dass das der Plan Gottes für mein Leben war.

Alles verlief gut. Nach Plan quasi.

Bis ich kurz nach unserer Ankunft in Ghana erneut schwanger wurde. Das war ein großer Wunsch von uns. Leider bekam ich gleichzeitig unerklärliche, stärker werdende Schmerzen. Letztlich muss ich deswegen zurück nach Deutschland fliegen. Angst überkam mich. Was ist los mit mir? Habe ich die richtige Entscheidung getroffen? Die Schmerzen wurden zunehmend intensiver. Ich konnte nicht mehr liegen, nicht mehr schlafen. Bald konnte ich kaum noch sitzen. Die Ärzte konnten aufgrund der Schwangerschaft auch nicht anfangen, zu diagnostizieren. Ich bekam immer mehr den Eindruck, dass sie mir die Schmerzen nicht wirklich glaubten.

Der Geburtstermin – und damit auch die ersehnte Hoffnung nach Abklingen der Beschwerden – rückte näher. Nach 8 Monaten voller Schmerzen und Schlaflosigkeit entschieden sich die Ärzte, die Geburt per Kaiserschnitt früher einzuleiten. Meine psychische und physische Verfassung ging Richtung Nullpunkt. Da kam sie dann – unsere dritte Tochter. Aber die Schmerzen blieben.

Mittlerweile waren die Mediziner mit meinen lebensmüden Gedanken und der puren Angst in mir überfordert. Ohne mein kleines Baby verlegten sie mich in die Psychiatrie. Das war ein schlimmer Tag für mich. Mein Mann – unterstützt von Familie und Freunden – kümmerte sich um unsere Töchter.

Irgendwann bemerkte einer der Psychiater Ähnlichkeiten meiner Beschwerden mit dem Krankheitsbild meiner Mutter. Er verlegte mich als Notfall mit absoluter Bettruhe in ein Uniklinikum. Wieder kroch die Angst in mir hoch. Dort stellte man durch diverse schmerzhafte Untersuchungen fest, dass ich wohl einen Gendefekt meiner Mutter geerbt haben muss. Wir wurden zum Forschungsobjekt.

Schnell war klar: Die Schmerzen wurden durch fünf Wirbelbrüche verursacht. Ich hatte Tumore in mir, die wahllos wuchsen und alles hormonelle durcheinanderbrachten. Auch in meinem Kopf gab es einen Tumor. Daraus resultierten Muskelkraftverlust und Osteoporose. Alles in Allem ein großer Schock und die Frage nach dem Warum. Warum ich?

Insgesamt musste ich sechs Monate im Krankenhaus bleiben und hatte einige Operationen zu überstehen. In dieser Zeit bemerkte ich nicht, dass ich mich von Gott entfernt hatte. Ich haderte, ich schrie ihn an, ja ich stellte ihn in Frage. Zum Beten blieb keine Zeit, war ich doch zu sehr mit den Schmerzen und der Angst beschäftigt. Angst nie mehr schmerzfrei zu sein, Angst im Rollstuhl zu sitzen, Angst zu sterben und meine Kinder nicht mehr aufwachsen zu sehen. Es gab Momente da flehte ich nach Erlösung, selbst Sterben war eine Option. Egal was, aber ich wollte die Schmerzen loswerden. Mein Mann – zusammen mit meiner Familie und vielen treuen Freunden – übernahm das positive Denken in dieser Zeit. Ich nahm das nicht wahr. War nur mit mir beschäftigt.

Doch dann, ganz unspektakulär, eines Nachts, hörte ich Gottes Stimme wieder. Ich habe sie einfach in der Dunkelheit meines Ichs nicht vernommen. Gott sprach zu mir, leise und liebevoll: „Hab keine Angst Conni. Du bist mein Kind. Ich lasse dich nicht sterben. Deine Schmerzen und dein Leid nahm ich mit mir ans Kreuz. Aber du musst mir vertrauen!“

Ich weiß nicht mehr genau, wie es kam, aber ich begann wieder zu vertrauen und bemerkte in der Folge endlich kleine Schritte der Heilung an mir. Mein Körper ist heute nicht 100% genesen, ich werde für immer auf medizinische Hilfe und regelmäßige Kontrollen angewiesen sein. Aber meine innere Einstellung hat sich verändert. Ich vertraue auf Gott.

In dieser Nacht fiel mir ein Bibelvers ein. Einer von vielen mutmachenden Versen. Aber einer, der mich durch dieses dunkle Tal der Angst und Hoffnungslosigkeit begleitet hat. Er steht in Jeremia 29,11: „Denn ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der Herr. Gedanken des Friedens und nicht des Leids, euch zur Zukunft und Hoffnung zu gewähren!“

Eine großartige Zusage von Gott.

Ich hatte mein Leben geplant, doch Gottes Plan lebt sich besser. Und die Angst versucht oft, mich zu belügen. Doch ich vertraue Gott täglich, dass er mir treu zur Seite steht. Egal was kommt.

Cornelia Amoah


Bild: Unsplash.com

 

10.04.2015 //

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